Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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FEMME BRUTAL
Dokumentarfilm, AT 2015, Farbe, 70 min., OmeU
Diagonale 2016

Regie: Liesa Kovacs, Nick Prokesch
Buch: Liesa Kovacs, Nick Prokesch
Darsteller/innen: Madame Cameltoe, Denice Bourbon, Doktor Sourial, Frau Professor La Rose, Denise Kottlett, Cunt, Madame Don Chanel
Kamera: Liesa Kovacs, Nick Prokesch
Schnitt: Liesa Kovacs, Nick Prokesch
Originalton: Cordula Thym
Produzent/innen: Prokesch Kovacs
Produktion: ko/ labs

 

Der „Club Burlesque Brutal“ bringt den (nackten) weiblichen Körper als widerständiges Moment auf die Bühne. Fleisches-Lust als politische Geste, die die Selbstverständlichkeit lesbisch-queeren Begehrens einfordert, sich von gefälligen Rollenbildern lossagt, fixierte Genderzuschreibungen dekonstruiert. Hinreißende Bühnenshows und kluge Interviews holen die Zuschauer*innen mit ins Diskursboot. Ein intellektuell und sinnlich lustvolles Kinoerlebnis.

The body and its power of speech: Miss Bourbon, Madame Cameltoe, Madame Don Chanel, Cunt, Miss Kottlett, Frau Professor La Rose und Doktor Sourial – sieben Kunstfiguren, erschaffen von sieben Performerinnen*, die in der Burlesque-Show „Club Burlesque Brutal“ den (nackten) weiblichen Körper als widerständiges Moment inszenieren: Entblößung als politische Geste. Fleisches-Lust, die die Selbstverständlichkeit lesbisch-queeren Begehrens einfordert, sich von tradierten gefälligen Rollenbildern lossagt und fixierte Genderzuschreibungen dekonstruiert. Die Künstlerinnen* spielen mit Referenzen auf die (queere) Pop-, Kunst- und Performancekultur. In ausdrucksstarker Bühnenpräsenz, fantasievollen Kostümen und atemberaubenden Choreografien werden hegemoniale Geschlechterrollen ausgestellt, gebrochen, neu verhandelt. In den Darstellungen vermischen sich Gewalt, Erotik und Komik, in fluiden Identitäten vereinen sich glamouröse Weiblichkeit, maskuline Derbheit und Androgynität. Doch FEMME BRUTAL lässt nicht nur die Körper sprechen. Auch vor und nach der Bühnenshow führen die Künstlerinnen* – die sich paradoxerweise backstage und zugleich on stage befinden – intelligente, humorvolle und intime dialogische Verhandlungen über Körperpolitik, Körperbilder und Sexualität. Sie offenbaren Performancetechniken, sprechen über ihre Bühnenpersonae, über Hemmschwellen und Überwindungsstrategien, über persönliche Emanzipation und das Verhältnis zum Publikum. In der Präsentation der Bühnenshow verweigert FEMME BRUTAL die typische Bühnenperspektive, gestattet keine Distanz zu den Körpern: Immer nah an den Darstellerinnen* und jenseits des von Kopf bis Fuß sich hinauf- und hinabhantelnden Scan-Blick-Klassikers schmiegt sich die Kamera an die Bewegungen an. Liesa Kovacs’ und Nick Prokeschs Dokumentarfilmdebüt bezieht die Zuschauer*innen in die diskursive Performance mit ein – sowohl intellektuell als auch sinnlich ein lustvolles Kinoerlebnis.
(Katalogtext, mk)

sixpackfilm.com

Wenn ein weiblicher* Körper nackt, selbstbewusst und autonom auf der Bühne steht, ist das auch heute noch eine hochpolitische und radikale Geste. Ohne den Bühnenraum je ganz zu verlassen, übersetzt FEMME BRUTAL die im „Club Burlesque Brutal“ aufgeworfenen Fragen zu Identität, Körper und der Lust am Schauen ins Kino. (Produktionsnotiz)

Femme Brutal ist Teil der Reihe In Referenz.