Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Jeder der fällt hat Flügel
Spielfilm, AT 2015, Farbe, 92 min., OmeU
Diagonale 2016

Regie, Buch, Schnitt: Peter Brunner
Darsteller/innen: Jana McKinnon, Renate Hild, Pia Dolezal, Christos Haas
Kamera: Franz Dude
Originalton: Tong Zhang, Rudolf Pototschnig
Musik: Ludwig van Beethoven, Robert Schumann
Sounddesign: Philip Waldenberger
Szenenbild: Momo Ehegartner
Kostüm: Momo Ehegartner
Weitere Credits: Produktion: Klara von Veegh, Kameraassistenz: Caroline Bobek, Maske: Andrea Zeilinger, Agnes Veegh, Steadicam: Felix Striegel, Oberbeleuchter: Martin Nefe, Color Grading & VFX: Matthias Halibrand
Produzent/innen: Klara von Veegh
Produktion: Cataract Vision

 

Kati ist 15 Jahre alt und leidet unter Asthma. Zusammen mit ihrer kleinen Schwester verbringt sie viel Zeit bei ihrer Großmutter auf dem Land. Die Natur und die saubere Luft tun ihrer Lunge gut. Aber etwas Unheimliches, Unausgesprochenes umgibt diesen Ort. Visionen plagen das Mädchen. Die Großmutter hat das Gefühl, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Es könnte der letzte gemeinsame Sommer mit ihren Enkelinnen sein. Sie möchte sich langsam von ihnen verabschieden. Aber gibt es überhaupt so etwas wie einen guten, sanften Tod? (Filmfest Hamburg)

Es ist der Körper, den man ertasten, den man spüren, mit dem man fühlen kann und der die Grenze ist, der Schutz, für alles, was innen liegt und unbe„greif“lich bleibt. Der menschliche wie der tierische Körper als physische Behausung, der etwas innewohnt und die oft sichtbar zeigt, worüber man nicht zu sprechen vermag – das ist ein durchgängiges Motiv, das sich durch das kurze OEuvre von Peter Brunner zieht. Was den Menschen menschlich macht, ist auch eine der Fragen, die Brunner in Jeder der fällt hat Flügel (in dem er u. a. den Tod seiner demenzkranken Großmutter verarbeitet) stellt. Eine sensuelle, haptische, lyrische, gar fantastische Annäherung an das Wesen von Liebe, Angst und Urvertrauen.
(Katalogtext, az)

thosewhofall.com

Vielleicht noch beeindruckender als die erzählerische Umsetzung ist die visuelle Qualität des Films. Betörend schön ist Brunners Drama vor allem, wenn es den eigentlichen Plot mit (alb)traumhaften Fragmenten unterbricht und zugleich auf metaphorischer Ebene widerspiegelt. Diese hochgradig stilisierten Clips arbeiten mit Zeitlupen, düster-bläulichen Farbfiltern, surrealen und stark symbolbeladenen Bildideen. Sie sind in ihrer rauschhaften Entrücktheit einerseits losgelöst vom Realismus der Erzählung und spüren doch auf intuitive Art deren Inhalt nach.
(Martin Gobbin, critic.de)

Je mehr etwas im Unbegrenzten, Ungenauen bleibt, desto schöner ist es für mich. Ungenau heißt nicht, dass alles beliebig ist, sondern dass manche Ideen als Skizze mehr transportieren und dass das Wesen der behandelten Sache durch die Nichteingrenzung und Nichtbenennung anders fließen kann. Es ist natürlich ein Risiko, einen Film mit derartig langsamem Puls zu machen – mit wenig Handlung und Offtexten. Die Freiheit von Jonas Mekas’ As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty hat mit 17 mein Leben verändert. Die Grenzen verschieben sich dauernd. Die Suche nach den Grenzen in der Filmsprache hat für mich etwas mit der Suche nach den Grenzen im Allgemeinen zu tun.
(Peter Brunner, AFC-Interview)