Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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CENTAURUS
Spielfilm, AT 2015, Farbe, 117 min., OmeU
Diagonale 2015

Regie, Buch, Szenenbild, Kostüm: Wolfgang Rupert Muhr
Darsteller/innen: Helmut Berger, Iréna Flury, Horst Heiss, Julian Loidl, Wolfgang Rupert Muhr, Gerhard Naujoks, Evelyn Ruzicka, Susi Stach, C.C. Weinberger, Werner Wultsch, Josefine Voss, Katharina Dietl, Nicola von Leffern
Kamera: Paul Schön, Reinhard Astleithner, Joe Berger, Oliver Brosenbauer
Schnitt: Melanie Ratz
Originalton: Sergey Martynyuk, Rudolf Pototschnig
Musik: Giacomo Puccini, Aron Ludwig, Johannes Winkler
Sounddesign: Matthias Ermert
Produzent/innen: Wolfgang Rupert Muhr

 

Ein romantischer Ausflug in den Wienerwald wird für Leonid Kronzeiter zum Psychotrip. Er ist seltsam aus der Spur, leidet an Wahrnehmungsaussetzern und Paranoia. Das plötzliche Auftauchen der Verwandtschaft tut sein Übriges, um Kronzeiter endgültig in ein Pandämonium des Irrsinns zu stürzen. Bis zur finalen Konfrontation mit den Urängsten scheint jeder Ausweg undenkbar. Eine surreale Odyssee im Naherholungsgebiet: „Es kommt ois irgendwie z’ruck im Leben.“
www.facebook.com/Centaurus.movie

Katalogtext Diagonale 2015:
Eigentlich will Leonid Kronzeiter bereits ins Wochenende, als die Chefetage ein Ende der weiteren Zusammenarbeit in den Raum stellt. Wie so vieles in Wolfgang Rupert Muhrs Langfilmdebüt bleibt die Ansage kryptisch, ohne jedoch ihre Wirkung auf das Seelenheil des Adressierten zu verfehlen. Seltsam aus der Spur wandelt dieser fortan durch das kühl fotografierte Bürolabyrinth, die Kamera übersetzt die Entrücktheit in unbarmherzige Nahaufnahmen, die zunehmend den Verdacht aufkommen lassen, irgendetwas gehe hier nicht mit rechten Dingen zu. Und auch Kronzeiter selbst gerät ins Zweifeln: Woher weiß die Kollegenschaft vom geplanten Geburtstagsausflug in den Wienerwald? Und woher tönt diese vertraute Stimme am Gang? Vorbei am Portier – genannt Zerberus – flüchtet sich Kronzeiter in das romantische Hüttenwochenende mit seiner Frau Sissy. Doch alles kommt anders. Anstelle der ersehnten Entspannung scheint sich seine Paranoia zu potenzieren. Immer schwerer fällt es ihm, den eigenen Sinnen zu trauen. Verdrängte Erinnerungen an die „legendäre“ Trinkervergangenheit werden wach. Da braucht es nur noch einen verwandtschaftlichen Überraschungsbesuch, um den Protagonisten endgültig in ein Pandämonium des Irrsinns zu stürzen. Bis zur finalen Konfrontation mit den Urängsten scheint jeder Ausweg undenkbar.

Bezugnehmend auf eine klassische Mythenwelt – zitierend, paraphrasierend, variierend – inszeniert Muhr eine neuzeitliche Odyssee im Naherholungsgebiet und schickt sich selbst in der Rolle des Leonid Kronzeiter auf einen surreal anmutenden Leidensweg. Im Dickicht aus Referenzen und Andeutungen wird die Unterscheidung zwischen Wahn und Wirklichkeit weitestgehend verunmöglicht – die Hüttenromanze mutiert zum doppelbödigen Psychotrip. Die neuen (alten) Leiden des K.: „ Es kommt ois irgendwie z’ruck im Leben.“ (sh)

In Filmen, die mit Furcht vor dem Rätselhaften arbeiten, werden die Zuschauer/innen gerne vor vollendete Tatsachen gestellt: Die Probleme, die ein/e Protagonist/in durchzustehen hat, werden von diesen nicht weiter hinterfragt, sondern hingenommen, genauso wie das Publikum sie hinzunehmen hat. CENTAURUS geht hier einen etwas anderen Weg: Protagonist Leonid erhält genug Zeit, die Ereignisse zu hinterfragen. Langsam kommt der Mahlstein in Schwung, doch wenn er arbeitet, ist er kaum noch aufzuhalten. (Wolfgang Rupert Muhr)