Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Global Shopping Village
Dokumentarfilm, AT/HR 2014, Farbe, 80 min., OmeU
Diagonale 2015

Regie, Buch: Ulli Gladik
Kamera: Klemens Hufnagl, Enzo Brandner, Sandra Merseburger
Schnitt: Elke Groen, Karin Hammer
Originalton: Grega Svabic, Marko Pelaic, Johannes Paul Heilig
Musik: Christof Kurzmann, Alexandra Simeon, Luka Zima
Sounddesign: Frano Homen
Produzent/innen: Arash T. Riahi, Michael Seeber, Sabine Gruber, Siniša Juričić
Produktion: Golden Girls Filmproduktion & Filmservices GmbH
Koproduktion: Nukleus film d.o.o. Medulićeva 6 10000 Zagreb Croatia Tel. / Fax. 00385 1 4846 556 info@nukleus-film.hr www.nukleus-film.hr

 

Ulli Gladik begleitet Shoppingcenter-Entwickler in die verschlungenen Netzwerke von internationalem Kapital und (korrupter) Politik. An repräsentativen Orten in Österreich, Deutschland und Kroatien erläutern Experten und Kritiker/innen die vielfältigen Auswirkungen des expansiven Kaufrauschs: Wir besuchen eine Stadt, die ihre Funktion verloren hat, sehen die (welken) Blüten von Boom und Blase und beobachten, wie sich allmählich Widerstand formiert.
www.globalshoppingvillage.com, http://verleih.polyfilm.at

Katalogtext Diagonale 2015:
Ein bunter Kirtag auf asphaltgrauer Parkplatzbrache. Im improvisierten Kirchensetting wird ein neues Shoppingcenter (ein-)geweiht. Wenig später stimmen Investoren, Politiker und Bevölkerung in Spiel und Musik des Festakts mit ein. Als Motoren des Arbeitsmarkts gefeiert besetzen Einkaufszentren in Europa mittlerweile eine Fläche in der Größenordnung von Liechtenstein. Vielerorts avancieren sie zu artifiziellen Mittelpunkten des gesellschaftlichen Lebens (bis hin zur Forderung nach Wohnraum innerhalb des Konsumareals), doch verweisen kritische Stimmen auf den damit einhergehenden innerstädtischen trading down: Kultur, lebendiger öffentlicher Raum und Urbanität bleiben zurück (und schließlich gänzlich aus), wenn marktführende Betriebe an die Peripherie abwandern. „Was soll ich in Judenburg, wenn jedes zweite Geschäft zu ist?“, heißt es einmal, während sich Aufnahmen verwaister Stadtkerne ins Bild setzen und dabei ausgerechnet mit jenen der osteuropäischen dead malls korrespondieren – der verwelkten Blüten von Finanzboom und Blase. Hier wie da hat es sich längst ausgeshoppt. Ulli Gladik wirft einen Blick hinter die Kulissen der Center- Entwicklung und begleitet Experten sowie Kritiker/innen einer vom Imperativ des Wachstums bestimmten Branche. Eine erhellende Bestandsaufnahme im kaufberauschten Netzwerk von Finanzmarkt, Politik und Raumplanung. (sh)

Wachstum hat Grenzen, und die Frage kommt auf, ob die Entwicklung nicht längst den Peak erreicht und bereits eine Trendwende eingesetzt hat. Lebensqualität, Langsamkeit, Nachhaltigkeit, Ökologie sind die aktuellen Schlagworte, und die Zukunft wird uns zeigen, ob es den großen Konzernen gelingt, diese Trends für sich zu vereinnahmen, oder ob der Handel tatsächlich regionaler, fairer und ökologischer werden wird. (Ulli Gladik)

Die Filmemacherin hat 2008 Natasha gedreht, das bemerkenswerte Porträt einer Bulgarin, die sich in Graz als Bettlerin verdingt. Gladiks Vermögen, Menschen unaufdringlich nahezukommen, zeigt sich auch diesmal immer wieder in Szenen, in denen ihre verschiedenen Gesprächspartner/innen verblüffend offen Einblicke geben. Zum Beispiel in Netzwerke, wie die Jagd sie stiftet. Bevor sie dann lieber weiter Hirsche beobachten. (Isabella Reicher, Der Standard)