Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Monumenti
Dokumentarfilm, AT 2014, Farbe, 72 min.
Diagonale 2015

Regie, Buch, Kamera: Eva Hausberger
Darsteller/innen: mit Vladimir Metani, Lumi Metani, Enri Metani, Vladimir Llakaj, Arben Muzha, u.a.
Schnitt: Gerhard Daurer
Originalton: Sigrid Nagele, Eva Hausberger
Musik: Peter Kutin
Sounddesign: Gerhard Daurer, Peter Kutin, Andi Pils
Produktion: Eva Hausberger

 

Eine archaische Bronzegießerei im Herzen Tiranas, Albanien. Der 60-jährige Bronzespezialist Vladimir Metani verdient sich sein Geld seit nunmehr 47 Jahren als Gießer. Monumenti kreist rund um die Arbeit an einem Denkmal, das sich anlässlich der Feierlichkeiten zur hundertjährigen Unabhängigkeit Albaniens im Bau befindet, und erzählt gleichzeitig Vladimirs Geschichte – eine Geschichte vom Leben in einer Diktatur, von Einschränkungen, Freiheit und Kunst, von Familie, Identität und Heimat. (Produktionsmitteilung)

Katalogtext Diagonale 2015:
In einer Bronzegießerei in der albanischen Hauptstadt Tirana laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Pünktlich zum hundertsten Jubiläum der Unabhängigkeit soll ein Denkmal von Staatsgründer Ismail Qemali fertiggestellt werden. Bild­hauer Vladimir Metani und seine Assistenten arbeiten Tag und Nacht an der 4,5 Meter hohen Statue. Umgeben von auflodern­ den Flammen, funkelnder Asche und Staub dokumentiert die Kamera in ruhigen Bildern die rohe Arbeit am Material.

Enver Hoxha, Vladimir Lenin, Josef Stalin – ab 1971 entstan­den alle Monumente Albaniens in der Fabrik, in der Metani arbeitete. Im Kommunismus waren diese noch viermal so hoch wie heute. Doch nach der politischen Wende in den 1990er­ Jahren mussten Metani und seine Kollegen die eigenen Werke wieder niederreißen – die gewählten Eliten brauchten neue Helden. Metani hat das nicht gestört, denn „die Bronze macht sich keine Gedanken über Kommunismus oder Demokratie“.

Monumenti ist Künstlerporträt und Geschichtsaufarbeitung zugleich. Der Film erzählt in intimen Einstellungen von Sehn­ sucht, Freiheit, Identität und Heimat in einem von den Stürmen der Geschichte gebeutelten Land. Eva Hausberger bleibt dabei ganz nah an den einzelnen Schritten des Bronzegießens, den Skulpturen und ihrem Erschaffer selbst. Metani hat sich in Jahren stillen Widerstands durch die eigene Kunst vom Staatssystem befreit. Er formt expressive, an die albanische Mythologie angelehnte Skulpturen als Kritik gegen die real­ sozialistischen Monumentalbilder, die die Diktatur einst bei ihm in Auftrag gab. Tief zerfurchte Gesichter zeugen vom Leid der albanischen Gesellschaft und von der Unterdrückung durch das alte Regime. Vladimir sagt, seine Figuren würden vor Anspannung „schreien“.

In einer Reihe von Außenaufnahmen wird die politische Halbwertszeit der Monumente offenkundig: Während aus der Mode gekommene Heldenbilder von Partisanen auf Müllhalden ihr Dasein fristen, blickt Woodrow Wilson aus dem Kreisverkehr, winkt ein hemdsärmeliger George W. Bush vor dem Hintergrund eines Bankgebäudes. Dabei scheint es, als würde die junge Demokratie noch nicht recht wissen, zu welchen Vorbildern sie aufschauen soll. So ist Monumenti nicht nur eine sensible Hommage, sondern gibt auch detaillierte Einblicke in die Topografie eines Landes im Umbruch. (mh)