Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch
Dokumentarfilm, AT 2014, Farbe, 98 min., OmdU
Diagonale 2015

Regie, Buch: Alexandra Schneider
Darsteller/innen: mit Sharbat Abdullah, Fatema Abouzeid, Amani Eltunsi, May Gah Allah
Kamera: Sandra Merseburger
Schnitt: Alexandra Löwy
Originalton: Alexandra Schneider, Daniela Praher
Musik: Julian Hruza, Fayrouz Karawaya
Sounddesign: Andreas Pils
Produzent/innen: Daniela Praher
Produktion: Daniela Praher Filmproduktion

 

Im Windschatten des „Arabischen Frühlings“ begleitet Alexandra Schneider vier junge Frauen, die in der patriarchalischen ägyptischen Gesellschaft für Veränderung und mehr Gerechtigkeit kämpfen. Zwischen dem anfänglichen revolutionären Enthusiasmus und dem ernüchternden Klima des rückkehrenden Konservatismus deuten sich jene weiblichen Lebensrealitäten an, die im Schlagzeilenjournalismus häufig ausgespart bleiben. „After getting a taste of freedom we can’t go back“ (Amani Eltunsi).
www.privaterevolutions­film.com, www.praherfilm.at

Katalogtext Diagonale 2015:
„Down with the military rule“, skandieren Demonstrant/innen auf dem Tahrir­-Platz. Es ist Jänner 2011 und in Ägypten regt sich Widerstand gegen Regime und festgefahrene Konventionen. Um sich ein eigenes Bild von jenen Dynamiken zu machen, die gerne unter dem diffusen Begriff der Revolution zusammen­ gefasst werden, reist Alexandra Schneider nach Kairo. Dort trifft sie auf vier junge Frauen, die inmitten einer patriarchali­ schen Gesellschaft ihre individuellen Kämpfe für Veränderung ausfechten: die Aktivistin Sharbath Abdullah, die sich eine echte Zukunft für ihre Söhne wünscht und die Stimme unbeirrt gegen Ehemann und soziales Umfeld erhebt; Fatema Abouzeid, die sich neben Haushalt und Studium bei der Muslimbruder­schaft engagiert; May Gah Allah, die ihre Karriere als Bankerin zugunsten der Initiierung eines Entwicklungsprojekts im diskri­ minierten Nubien aufgibt; und Amani Eltunsi, die als Publizistin und Radiomacherin offen für mehr Frauenrechte eintritt.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren spürt Schneider den unterschiedlichen Motivationen ihrer Protagonistinnen nach und dringt immer tiefer in deren Alltag vor – in jene weiblichen Lebensrealitäten, die im Schlagzeilenjournalismus häufig aus­ gespart bleiben. Zwischen dem revolutionären Enthusiasmus und dem repressiv­ernüchternden Klima des rückkehrenden Konservatismus ermöglicht Private Revolutions dabei eine Vielzahl von Reflexionsprozessen: Was bedeutet es, kompro­misslos seinen Überzeugungen zu folgen? Wie nehmen wir Europäer/innen die arabische Kultur wahr? Schließlich: Welche Gratwanderung bedeutet dokumentarisches Arbeiten, wenn es gilt, soziales, politisches und privates Leben ausge­wogen und nicht tendenziös darzustellen? (sh)

Mein Beweggrund bestand darin, dass ich mir als junge Frau diese rigide patriarchalische Gesellschaft näher anschauen wollte, in der es grundsätzlich schwierig ist, etwas zu verän­dern, aber für Frauen noch schwieriger sein muss. Was heißt es für eine junge Frau, wenn sie etwas verändern will? Mit welchen Konflikten und Widerständen muss sie rechnen? Wie reagiert ihr Umfeld? (...) Ich glaube, diese Gesellschaft wird sich auch durch die junge Generation, aber vor allem durch ihre Frauen verändern. Die Frauen sind der Motor der Revolution. (Alexandra Schneider, AFC­-Interview)