Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

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A Masque of Madness (Notes on Film 06-B, Monologue 02)
Innovatives Kino, AT 2013, Farbe+SW, 79 min., OmeU
Diagonale 2014

Regie, Buch, Schnitt: Norbert Pfaffenbichler
Darsteller/innen: Boris Karloff
Originalton: Christof Amann
Musik: Johann Sebastian Bach
Produzent/innen: Norbert Pfaffenbichler

 

Aus rund 170 unterschiedlichen Film- und Fernsehauftritten von Boris „The Master of Horror“ Karloff montiert Norbert Pfaffenbichler eine surreale Metaerzählung, in der sich Farb-, Schwarz-Weiß-, Stumm- und Tonfilm zu einem (film-)geschichtlichen, visuell hypnotischen Kaleidoskop verweben. A Masque of Madness ist Hommage und Found-Footage-Experiment zugleich, ein lustvoller Irrgarten paradoxer Logik und Narration – und ein letztlich wunderschönes medial erschaffenes Frankenstein’sches Monster.

www.norbertpfaffenbichler.com, www.sixpackfilm.com

Filmgespräch mit: Norbert Pfaffenbichler

Katalogtext Diagonale 2014:
Punkt Mitternacht. Ein Mann hastet durch die dunkle Nacht. Von der Straße führt die Flucht (vor einem Monster?) hinein ins mediale Schauerkabinett – eine Welt voller mysteriöser Experimente hinter verschlossenen Türen, in der „The Uncanny Karloff“ als Schöpfer und Knecht in Personalunion waltet, gebietet, gehorcht. Aus fünf Jahrzehnten hat Norbert Pfaffenbichler Filmauftritte der britischen Schauspiellegende Boris Karloff extrahiert und neu montiert. Rund 170 von Karloffs Rollen, darunter ikonische Horror- und B-Movie-Auftritte als Frankensteins Monster oder Fu Manchu, erwehren sich der Vergänglichkeit, steigen aus dem medialen Totengrab empor und interagieren im Spiel mit sich selbst. In einer montagetechnischen Tour de Force und über formale Traditionen hinweg spannt Pfaffenbichler dabei den Materialbogen vom Stumm- zum Tonfilm und weiter ins Fernsehen, in dem sich Karloff ab den 1950er-Jahren ein zweites Standbein verschaffte. Schwarz-Weiß- und Farbbild laufen somit völlig selbstverständlich ineinander und setzen wechselseitige Akzentuierungen: Wie ein Leuchtfeuer erstrahlt der surreal gefärbte Donnerhimmel im Kontrast zu den düsteren Innenräumen der mad scientists, Krummrücken und Deformierten.

In der kondensierten Filmografie formulieren sich Rituale des Schauerkinos ebenso wie ein regelrechter Maschinenund Elektrifizierungsfetisch, der sich im rhythmischen Schnitt zu kleinen Symphonien der Blinklichter und Apparaturen verdichtet. „Mehr Energie, mehr Energie“, fordert dazu der Protagonist – und wird belohnt. So ist A Masque of Madness Hommage und Found-Footage-Experiment zugleich, ein lustvoll- hypnotischer Irrgarten paradoxer Logik und Narration – und ein letztlich wunderschönes medial erschaffenes Frankenstein’sches Monster. (red)

Nach der Arbeit zum Stummfilmstar Lon Chaney wird diesmal auch das Spiel mit dem Originalton auf vergnügliche Weise formgebend. Rhythmischer Schnitt lässt diverse Filmmaschinen miteinander musizieren und Frankensteins Monster zur Instrumentalbegleitung mehrerer Karloffs tanzen. „They won’t come to learn, only to stare“, klagt der mad scientist nach einem weiteren fürchterlichen Experiment. Die Trennung zwischen Staunen und Lernen lässt Pfaffenbichler aber auch in diesem Eintrag seiner Notes on Film entschieden hinter sich. (Joachim Schätz)