Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Das Haus meines Vaters
Spielfilm, AT 2012, Farbe, 65 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch: Ludwig Wüst
Darsteller/innen: Nenad Smigoc, Martina Spitzer
Kamera: Klemens Koscher
Schnitt: Samuel Käppeli
Ton: Gregor Rasek
Sounddesign: Gregor Rasek
Produzent/innen: Matthias Pázmándy, Anne de Boismilon, Ludwig Wüst
Produktion: film-pla.net

 

Der Regisseur wird anwesend sein.

Andrej lebt in Frankfurt. Ein Anruf lässt ihn an den Ort seiner Kindheit zurückkehren, in das Haus seines Vaters. Mit Handkamera in einer beinahe durchgängigen Einstellung gefilmt, wird der Besuch zur Spurensuche mit ungewissem Ziel. Das Vergangene vermittelt sich über den Dialog mit einer ehemaligen Schulfreundin, vielmehr aber noch über das Dazwischen – Gesten und Gesprächspausen. Eine Übung in Unmittelbarkeit, packend unaufgeregt.

Katalogtext Diagonale 2013:

Ein Mann, Andrej, wird geweckt. Er hat die Nacht im Auto am Straßenrand verbracht. Aus Frankfurt ist er an den Ort seiner Kindheit zurückgekehrt, in das Haus seines Vaters, das er nun mit einer ehemaligen Schulfreundin aufsuchen wird. Was folgt, ist Smalltalk: über das Wetter, Befindlichkeiten. Erst nach und nach dringt der Dialog der beiden einzigen Protagonist/innen in die Tiefe. Das Haus meines Vaters ist eine Spurensuche mit ungewissem Ziel. Das Vergangene vermittelt sich über den Dialog, viel mehr aber noch über das Dazwischen – Gesten und Gesprächspausen. Selbst im Inneren des Hauses gibt der schwache Lichtkegel der Taschenlampe nur langsam die Sicht auf das Interieur frei.

Irgendetwas eint Andrej und seine Begleiterin, und doch sind sie sich fremd. „So richtig hast du unsere Sprache nie gelernt“, meint sie. Am Ende wird Andrej fahren – und niemals wiederkehren. Ein weiteres Beispiel für Ludwig Wüsts kompromisslose Filmsprache, eine Übung in Unmittelbarkeit, gefilmt mit Handkamera in einer beinahe durchgängigen Einstellung. (red)

Poète maudit Ludwig Wüst dringt in Das Haus meines Vaters in ein Drama ein, das tief unter der Haut einer Alltagserzählung, gleichsam in der Finsternis der Vergangenheit verborgen liegt: ein unaufgeregter, auch gnadenloser, sehr genau inszenierter Film, getragen von einem außerordentlichen Darstellerpaar – Nenad Šmigoc und Martina Spitzer. (Stefan Grissemann, Profil)

Meine Familie lebte über viele Generationen in einem kleinen Dorf in Bayern. Nach dem Krieg wollte mein Vater dort nicht mehr wohnen. Eines Tages erreichte ihn aber ein Anruf seiner Mutter, die ihm befahl, endlich „heimzukommen“. Viele Jahre später wollte mir mein Vater das gleiche Versprechen abringen: Wenn ich einmal ins Ausland ginge, sollte ich wieder nach Hause kommen, sobald er es wünschte. Intuitiv erkannte ich, dass dies falsch wäre, und entschied mich, irgendwann für immer wegzugehen. Davor wollte mir mein Vater sein Haus vermachen, ich lehnte ab. Er selbst aber gehorchte seiner Mutter und zog mit seiner Familie in das „Kuhdorf“. Er weigerte sich fortan, Oberpfälzer Dialekt zu sprechen, und kommunizierte in einem steifen Hochdeutsch. Später wollte er das gesamte Anwesen umbauen, damit alle Kinder dort bis an ihr Lebensende wohnen sollten. Das wäre der Plan meines Vaters gewesen. Er ging nicht in Erfüllung, Gott sei’s gedankt. (Ludwig Wüst)

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