Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Libya Hurra
Dokumentarfilm, AT 2012, Farbe, 73 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Fritz Ofner
Sounddesign: Peter Kutin
Weitere Credits: Aufnahmeleitung, Übersetzungen: Houssam Al Deen
Produzent/innen: Fritz Ofner

 

Der Regisseur wird anwesend sein.

Während der letzten Wochen des Regimes Muammar al-Gaddafis begibt sich Fritz Ofner auf einen Roadtrip durch jenes Libyen, das in den TV-Sensationsbildern meist ausgespart bleibt. Ofner sucht die Normalität hinter der Frontlinie, konzentriert das Dokumentarische auf sein Kernpotenzial: die Konservierung eines kollektiven Taumels. Der resultierende Gesamteindruck ist ein subjektiver, bewusst fragmentarischer. Der Schnappschuss eines historischen Ausnahmezustands.

Katalogtext Diagonale 2013:

„God is great, Libya is free“, skandiert ein Revolutionär in einer der ersten Szenen des Films. Bewaffnete Männer adressieren die Kamera mit Handzeichen: Victory, ein Land im Ausnahmezustand. Während der letzten Wochen des Regimes Muammar al-Gaddafis begibt sich Fritz Ofner auf einen Roadtrip durch jenes Libyen, das in den Sensationsbildern der TV-Berichterstattung meist ausgespart bleibt. Ofner fokussiert die Normalität von Krieg und Revolution hinter der Frontlinie – Arbeiten in einer improvisierten Waffenfabrik, euphorisierte Massen bei einer Kundgebung in Tripolis – und verzichtet dabei auf übergreifende Erklärungen. Der Wahrheitsgehalt von Kriegsbeschreibungen ist ohnehin stets ein fraglicher.

Es ist das momenthafte Zusammengehörigkeitsgefühl, der kollektive tranceartige Taumel der Revolution, der in Libya Hurra in den Vordergrund rückt: Eindrücke, die Ofner zu einem bewusst fragmentarischen und subjektiven Gesamtbild verknüpft und deren dramaturgischer Bogen nicht erst im Schnitt entsteht, sondern bereits im Moment der Aufnahme – in der persönlichen Interaktion mit Land und Menschen. Beispielhaft führt die Kamera in einer langen Plansequenz kommentarlos durch das befreite Gaddafi-Gefängnis von Abu Salim, bevor ein ehemaliger Insasse in einer verwüsteten Zelle über die Zeit seiner Inhaftierung spricht. Eine Zufallsbegegnung, wie Ofner im Beitext zum Film vermerkt; der Blick schweift, sucht, findet – oder findet eben nicht. (red)

Michel Foucault war 1979 im Iran, um über die Revolution zu berichten, und hat den Moment der Revolution als gesellschaftlichen Trancezustand bezeichnet. Genau diesen Trancezustand, in dem sich Land und Menschen befinden, wollte ich zum Mittelpunkt des Films machen. Grundsätzlich treibt mich immer auch ein ethnologisches Interesse. Welche Arbeitsschritte erfordert eine Revolution? In einer Revolution wird gekämpft, werden Waffen bereitgestellt, Kämpfer/innen verwundet, Gefängnisse gefüllt, Tote bestattet. (Fritz Ofner)

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