Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

Johann Lurf
Geboren 1982 in Wien. 2002 bis 2009 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Der Filmemacher lebt und arbeitet in Wien.

Filme / Videos (Auswahl)
★ (2017), Capital Cuba (2015), Twelve Tales Told (2014), EMBARGO (2014), Picture Perfect Pyramid (2013), RECONNAISSANCE (2012), Kreis Wr.Neustadt/A to A (2011), Endeavour (2010), Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich 140 9 (2009), 12 Explosionen (2008), Vertigo Rush (2007) u. a.

Preise / Stipendien
Diagonale-Preis Innovatives Kino 2018 (★) / Norman, Stuttgarter Filmwinter 2013 (Kreis Wr.Neustadt) / Best Experimental Documentary, Jihlava International Documentary Film Festival 2011 (Endeavour) / MAK-Schindler-Stipendium, Los Angeles 2011 / Diagonale-Preis Innovatives Kino 2008 (Vertigo Rush)

 

Johann Lurf gestaltet den Trailer der Diagonale’19

★ – Diagonale-Preis Innovatives Kino 2018
© sixpackfilm/Johann Lurf

Mit einem wachsenden Œuvre poetisch-akribischer Ortserkundungen zählt der 1982 geborene Johann Lurf zu einem der versiertesten Vertreter der heimischen Filmavantgarde. Mal aus originärem Material, mal aus gefundenem Footage generiert der Wiener Filmemacher präzise Arbeiten, die gleichzeitig einen unvergleichlich gekonnten Umgang mit der Klaviatur des Kinohandwerks erkennen lassen. Analog, digital, körperlich und kontemplativ mutet das Lurfsche Kino an – wie ein fein gestimmtes Instrument, mithilfe dessen er subtile Perspektiv- und Wahrnehmungsexperimente anstellt. Der Blick auf die Welt ist nach einem Lurf-Film nicht mehr derselbe: Verortungen von bekannten Umgebungen werden in seinen im besten Sinne stilistisch heterogenen Werken infrage gestellt, filmische Topoi in ihrer Unendlichkeit erforscht. „Lurfs Arbeiten lassen sich nicht auf einen Stil reduzieren und sind der Vielfalt der Möglichkeiten, Kino zu machen und über Kino nachzudenken, zugewandt. Gemein ist allen eine konzentrierte Auseinandersetzung mit der Welt und den Modi ihrer Bildwerdung, eine formale Ernsthaftigkeit, auf das Nötigste reduziert, und eine Prise Schalk, die stets durchblitzt“, stellte Diagonale-Programmberater Alejandro Bachmann etwa anlässlich eines Fokusprogramms im Österreichischen Filmmuseum fest.

Für die Diagonale’19 gestaltet Johann Lurf, regelmäßiger und gern gesehener Gast in Graz, den Festivaltrailer. Im Original mit zwei 35mm-Kameras und in 3D gedreht ist der Trailer ein digitales Exzerpt eines Fünfminüters, der im regulären Programm der Diagonale zudem als 3D-Projektion zu sehen sein wird.

Johann Lurf, in jüngster Vergangenheit oftmals als Shooting-Star am heimischen Avantgardefirmament bezeichnet, darf heute getrost zu den Fixsternen am selben gezählt werden – spätestens seit seinem international gefeierten immersiven „Searched-Footage“-Opus-magnum ★, für das er 2018 mit dem Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz bedacht wurde. Bereits 2008 erhielt der 1982 geborene Filmemacher und Künstler denselben Preis für Vertigo Rush.

Diagonale-Preis Innovatives Kino 2018 für ★ „In his vertiginous, colossal work, ★, Johann Lurf gathers together imagery from no less than 550 films throughout the history of cinema, extracting only those sequences that depict the star-filled nighttime sky, unobscured by any terrestrial element. The resulting cinematic journey of more than 99 minutes is truly transcendental. […] A film whose apparent minimalism functions as a portal to a great richness and invites profound contemplation, ★ takes its place within the glorious tradition of experimental found footage films, following in the footsteps of pioneers like Adrian Brunel, Henri Stork, the French lettrists, and Bruce Conner. With this film Lurf joins the firmament of the great contemporary masters of the genre, such as Volker Schreiner, Matthias Muller, Christoph Girardet, Gustav Deutsch, and Christian Marclay, to name a few.” So begründete die Diagonale’18-Jury im Frühjahr ihre Entscheidung, auf deren Verlautbarung zum Höhepunkt des Festivals ein spätabendliches kollektives Observieren des Lurfschen Himmelszeltes im KIZ RoyalKino folgte.

Dass es in Lurfs filmischen Werken im weitesten Sinne immer um den Ort geht, wird auch anhand seiner vorhergehenden Arbeiten deutlich. So blickt er in EMBARGO auf das, was eigentlich verborgen bleiben soll, studiert in Picture Perfect Pyramid ein vorstädtisches Architekturkuriosum aus wechselnden Perspektiven und nutzt das Schuss-Gegenschuss-Prinzip in Capital Cuba, um den Schauplatz seines Experimentalfilms profund zu erkunden. Jed Rapfogel, Filmkurator in den Anthology Film Archives und Teil der Jury Innovatives Kino der Diagonale’18, merkt etwa an: „[…] Lurf displays a profound sensitivity to the layered histories and meanings that are manifest in particular places or structures, to the revelations that can emerge from preexisting imagery, and to the properties and potentialities of his chosen media (whether film or digital video).“ Lurfs Arbeiten bedeuten also stets ein filmisches Erkunden – ein Erkunden, das nun auch bei der Diagonale’19 seine Fortsetzung finden soll. Im Kino. Auf der Leinwand. In Form des Diagonale’19-Trailers.

Die Diagonale dankt dem Umsetzungspartner des Diagonale’19-Trailers The Grand Post – Audio & Picture Post Production sowie dem Kunsthaus Graz.

Der Trailer wird Ende Jänner anlässlich der Programm-Preview’19 präsentiert.