Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Diagonale Webnotiz 3/2014

von Catalina Molina

 

Catalina Molina ist Filmemacherin und lebt in Wien. Ihr Kurzspielfilm Hinter der Tür hat auf der Diagonale 2014 seine Uraufführung.

Nachwuchswege im österreichischen Film

Nachwuchs. Wächst nach. Dort, wo schon was war. Gedeiht, entfaltet sich, nimmt neue Formen an. Manchmal überschreibt er Altes – soweit, dass der Ursprung nicht mehr erkennbar wird. Doch welcher ist der ursprüngliche, der „typisch“ österreichische Film? Und wo sind wir, der sogenannte Nachwuchs? Wo wollen wir uns platzieren, (wie) wollen wir eine gemeinsame Stimme entwickeln?
Vor neun Jahren habe ich begonnen Film zu studieren. Ich erinnere mich, dass ich von der Bandbreite an Filmen entlang der Filmgeschichte gleichermaßen begeistert und schockiert war. So vieles fand ich großartig, was sollten wir denn noch nachlegen?
Auch war diese Zeit geprägt von einem sehr starken, jungen österreichischen Kino. Filme, die internationale Erfolge vorweisen konnten und eine klare, eigene Sprache entwickelt hatten. Eine Bewegung und Markenzeichen des österreichischen Films.
Ich weiß, dass ich damals dachte, es würde unmöglich sein, für meine – die nächste Generation an Filmemacher/innen – etwas ähnlich Gutes, ähnlich Starkes nachzulegen.
Heute empfinde ich das nicht mehr, denn die Realität spricht für sich: Mit Stolz schaue ich auf meine Kolleg/innen und staune über die Vielfältigkeit der Filme, die in den letzten Jahren entstanden sind!
Es gibt zwar nicht „die eine Bewegung“, doch etwas bewegt sich. Und zwar vieles zugleich!
Die Themen, Sprachen und Zugänge, sind sehr unterschiedlich – und gerade darin sehe ich die Qualität meiner Generation. Die Freiheit, alles erzählen zu können, auf unterschiedlichste Arten. Alles ist möglich, alles ist relevant.
Ich sage: Cannes. Muss aber nicht.
Die meisten träumen davon, doch die Selbstverwirklichung steht manchmal im Konflikt mit der Strom- und Gasrechnung. Ich denke, dass wir eine pragmatische Generation sind, stark mit der Realität verwurzelt und so sehe ich, dass immer häufiger auch an Projekten fürs Fernsehen gearbeitet wird. Oder Auftragsarbeiten und Werbefilme realisiert werden. Es wird – zumindest versucht – für ein breites Publikum zu schreiben. Vielleicht spiegeln sich darin die Auswirkungen der letzten Wirtschaftskrise wieder, vielleicht aber, wollen wir einfach arbeiten, um weiter das Handwerk zu lernen – oder haben sich einfach nur die Ideale verschoben …?

Was auch immer es ist, auch dieser Umstand lässt eine Vielzahl an unterschiedlichen Werken entstehen, die das bunte Bild des österreichischen Nachwuchsfilms prägen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Berufen, zählt man im Film außerordentlich lange zum Nachwuchs. Es dauert viele Jahre bis man sich tatsächlich etabliert hat – so ist eine Mehrheit bis Mitte 30 noch nicht in der Lage vom Filmemachen zu leben – auch das zwingt uns, Alternativen zu suchen. Jetzt, da ich auch Mutter geworden bin, und selbst für einen (diesmal geht’s um einen einzelmenschlichen, kleinen) Nachwuchs zu sorgen habe, drängt sich dieses Thema zusätzlich auf. Zumindest in Österreich, sind wir aber privilegiert, doch Möglichkeiten zu finden.

Durch die neuen Videoformate der letzten Jahre, wurde es auch möglich, kostengünstig (und zumindest visuell) hochqualitative Filme zu produzieren, wodurch die Anzahl an Kurz- und Langspielfilmen noch weiter gestiegen ist. Immer mehr Festivals, Auszeichnungen und damit verbundene Namen junger Regisseur/innen tauchen auf – und längst muss man nicht Film studiert haben oder durch die Filmakademie gegangen sein um zu beweisen, dass man Filme machen kann.
Großartig!
Mehr Filme für alle!
Doch neben all dem (Eigen-)Lob, hier noch eine (selbst)kritische Anmerkung:
Ich wünschte mir manchmal, es gäbe mehr Austausch und Kommunikation, zwischen uns, dem Nachwuchs – und zwar schon während der Entwicklungsphase. Treffen, Diskussionen, Kritiken … Ich glaube, es würde uns inspirieren und schließlich noch bessere Filme hervorbringen.
Doch vielleicht ist auch das ein Phänomen unserer Zeit, wo jede/r Einzelne ein Liebesverhältnis zu seinem Rechner aufgebaut hat und diese Beziehung monogamistisch pflegt.
In diesem Sinne plädiere ich für Nachwuchs-Polygamie!

Bussi auf den Bildschirm & eine schöne Diagonale wünschen Catalina & die Nachwüchsin.

Die Diagonale-Webnotizen wurden von 2010 bis 2015 von der BAWAG P.S.K. unterstützt.

Der Standard ist Medienpartner der Diagonale-Webnotizen.