Diagonale
Festival des österreichischen Films
28. März–2. April 2017, Graz

Diagonale Webnotiz 4/2013

von Sophie Stockinger

 

Sophie Stockinger (* 1997) lebt in Wien. Nach zahlreichen Auftritten am Theater gehört sie seit 2012 zur „Jungen Burg“ des Wiener Burgtheaters und ist Mitglied im jungen ensemble hörbiger. Die Rolle der „Jasmin“ in Katharina Mücksteins Spielfilm Talea, der bei der Diagonale 2013 Österreich-Premiere haben wird, ist ihre erste Filmrolle.

Jasmin-Sein

Ich bin auf einer großen Blumenwiese, die von hohen, dunklen Bäumen umrandet ist. Inmitten der großen, freien Fläche liege ich mit Nina. Wir drehen die Szene, in der Eva Jasmin fragt, ob sie nicht tanzen gehen wollen. In dieser Szene ist Jasmin am Anfang glücklich, weil sie mit ihrer Mutter in der Sonne liegt und sie für kurze Zeit vergisst, dass die Beziehung zu ihr nicht leicht sondern kompliziert ist. Es fühlt sich für einige Zeit so an, als würden sie schon ihr ganzes Leben lang zusammen sein und als wäre dieser Augenblick ganz alltäglich. Das ist er aber leider nicht. Eigentlich ist es für Jasmin etwas ganz Besonderes, mit ihrer Mutter in der Wiese zu liegen, wie in einer ganz normalen Mutter-Tochter-Beziehung. Umso mehr bereitet die Frage, die Eva ihr stellt, Unbehagen. „Und geh’ma heute tanzen?“, fragt sie und schaut in die Ferne. Jasmin ist verärgert über die plötzliche Wendung des schönen Augenblicks und antwortet nüchterner als beabsichtigt: „Geh bitte!“

Talea © La Banda Film

Talea © La Banda Film

In dieser Szene hatten wir eine Kameraeinstellung, die für mich neu war. Die Kamera war direkt vor uns und auch relativ nah. Michi hat mir genau gesagt, wo ich an der Kamera vorbei schauen soll. Ich war das Ganze zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon gewöhnt, aber der große schwarze Stoffvorhang war doch ein wenig irritierend … Als Jasmin musste ich ein Asterix & Obelix-Comic lesen. Ich glaube es war „Asterix bei den Briten“, jedenfalls habe ich die Hefte während der Dreharbeiten wirklich gelesen und deshalb war es auch nicht schwer so zu tun, als würde ich konzentriert lesen, weil ich das ja auch wirklich gemacht habe. Ich musste nur aufpassen, dass ich nicht zu tief in das Comic versinke und die Szene vollkommen vergesse, daher habe ich immer die gleiche Seite gelesen.
Nina hat ein Seitenblicke-Magazin gelesen, das ich zum Glück schon davor in der Mittagspause überflogen habe, sonst hätten mich die ganzen Bilder wahrscheinlich abgelenkt. Das Schwierige an dieser Szene war auch, dass wir sie in einem Stück, ohne Schnitt gedreht haben. Das heißt, ich habe mir überlegt, wie sich die Situation für Jasmin anfühlt und entwickelt.

Sie ist enttäuscht, dass Eva nicht so ist wie sie. Ihr ist es unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen und Eva möchte unbedingt tanzen gehen. Das stört Jasmin. Die Stimmung ist nicht mehr so schön wie vorher. Als Eva sich eine Zigarette ansteckt, fragt Jasmin, ob sie auch eine haben kann. Sie möchte Eva testen, ob sie ihr einfach so eine Zigarette geben würde. Eva rückt die Zigaretten nicht gleich raus. Schließlich geht Jasmin auf den Deal ein, dass Eva ihr eine Zigarette gibt, wenn sie mit ihr tanzen geht. Eva gibt ihr eine und Jasmin hat Schwierigkeiten, sie anzuzünden. Eva fragt, ob das ihre erste Zigarette sei und Jasmin antwortet: „Nein, meine zweite …“.

Dieser Teil der Szene war wahnsinnig aufregend, weil es eigentlich meine allererste Zigarette war. Ich war ziemlich nervös. Ich wusste auch nicht wirklich, wie man eine Zigarette anzündet und habe deshalb auch gleich den ersten Take verhaut. Also hat mir Katharina erklärt, dass man gleichzeitig anziehen muss. Tja, das war nicht so einfach … Nach einigen Versuchen habe ich es dann halbwegs hinbekommen. Während des Spielens war ich aber dreimal so aufgeregt, weil ich das Ganze vor laufender Kamera machen und mich eher aufs Spielen konzentrieren musste, weil ich sowieso schon so aufgeregt wegen des Rauchens war. Es ist mir schließlich ganz gut gelungen und es hat Spaß gemacht, die Szene zu spielen. Auch unabhängig von der großen Aufregung wegen des Rauchens ist diese Szene für mich ganz besonders, wie sie es auch in der Geschichte ist. Für Jasmin ist der Moment, in dem die beiden rauchen, sehr wichtig und emotional. Sie weiß wenig über ihre Mutter, und diese Zigarette, die sie miteinander rauchen wie Freundinnen, ist die beste Möglichkeit, ein bisschen mehr von Eva zu erfahren.

Die Diagonale-Webnotizen wurden von 2010 bis 2015 von der BAWAG P.S.K. unterstützt.

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